Chinesisches Neujahr – Xīnnián kuàilè (新年快乐)
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Gestern, am 17. Februar 2026, begann das chinesische Neujahr und damit das Jahr des Feuer-Pferds. In weiten Teilen Ostasiens sowie in chinesischen Gemeinschaften weltweit wurde der Jahreswechsel mit familiären Ritualen, traditionellen Speisen und ausgedehntem Feuerwerk begangen.
Mit „Xīnnián kuàilè“ wünscht man ein frohes neues Jahr, mit „Gōngxǐ fācái“ Erfolg und Wohlstand. Der Jahreswechsel ist jedoch weniger ein individueller Glückwunschmoment als vielmehr ein kulturell und historisch tief verankerter Übergang.
Bezeichnung und Kalender
Das chinesische Neujahrsfest, auch „Chunjie“ oder Frühlingsfest genannt, ist der wichtigste traditionelle Feiertag im chinesischen Kulturkreis.
Der Termin wird nach dem chinesischen Lunisolarkalender berechnet und fällt auf den zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende, also zwischen dem 21. Januar und 21. Februar.
Mit dem Neujahrsfest beginnt zugleich ein neuer Abschnitt im Tierkreiszyklus. 2026 startete das Jahr 丙午, bǐngwǔ, das Feuer-Pferd, innerhalb des Sechzigjahreszyklus aus Himmelsstämmen und Erdzweigen.
Verbreitung
Gefiert wird das Fest in China, Taiwan, Vietnam, Korea, Mongolei sowie in zahlreichen Diasporagemeinden in Südostasien, Nordamerika und Europa.
Rund um das Neujahrsfest setzt jährlich die größte regelmäßige Migrationsbewegung der Welt ein. Millionen von Arbeitsmigranten reisen zu ihren Familien zurück. Diese Phase wird als „Chunyun“ bezeichnet.
Mythologie und Ursprung des Feuerwerks
Eine zentrale Legende erzählt vom Monster „Niánshòu“, das am Jahresende Dörfer heimsuchte. Um es zu vertreiben, erzeugten die Menschen Lärm, zündeten Feuer und verwendeten die Farben Rot und Gold.
Aus diesem Brauch entwickelte sich die Feuerwerkstradition. China gilt als Ursprungsland des Schwarzpulvers. Bereits frühe Formen bestanden aus brennenden Bambusrohren, die mit lautem Knall zerbarsten.
Das Feuerwerk steht symbolisch für die Vertreibung des Alten, für Schutz vor Unglück und für einen kraftvollen Neubeginn.
Verlauf der Feierlichkeiten
Vorbereitungen:
Wochen vor dem Fest werden Häuser gereinigt, neu gestrichen und dekoriert. Rote Spruchbänder und Laternen symbolisieren Glück und Wohlstand. Opfergaben an den Küchengott sollen ein positives himmlisches Urteil sichern.
Altjahresabend:
Die Familie versammelt sich zu einem reichhaltigen Festessen. Fisch wird traditionell nicht vollständig aufgegessen, da sein Name homophon zu „Überfluss“ ist. Geldgeschenke werden in roten Umschlägen überreicht.
Kurz vor Mitternacht beginnt das Feuerwerk, das vielerorts bis in die frühen Morgenstunden andauert.
Neujahrstag und Folgetage:
Der erste Tag ist der Familie gewidmet, danach folgen Besuche bei Verwandten. Bestimmte Tage sind speziellen Bedeutungen gewidmet, etwa dem Wohlstandsgott oder dem symbolischen „Rénrì“, dem Geburtstag aller Menschen.
Am fünfzehnten Tag endet das Fest mit dem Laternenfest.
Gebräuche
Glück bringend gelten unter anderem:
- Öffnen von Fenstern und Türen, um Glück hereinzulassen
- Tragen neuer Kleidung
- Süßes Essen
- Licht in der Nacht brennen lassen
Als unheilvoll gelten:
- Haareschneiden während der Festtage
- Fegen am ersten Tag
- Tragen weißer oder schwarzer Kleidung
- Gespräche über Tod
Viele dieser Bräuche basieren auf Wortspielen, da bestimmte Begriffe homophon zu „Wohlstand“, „Glück“ oder „Verlust“ sind.
Bedeutung des Feuerwerks im Vergleich
Im westlichen Kontext ist Feuerwerk meist auf wenige Minuten zum Jahreswechsel konzentriert.
Im chinesischen Neujahr hingegen ist es Teil eines mehrtägigen kulturellen Systems mit mythologischer, historischer und gesellschaftlicher Verankerung. Es begleitet das Fest nicht nur als visuelles Ereignis, sondern als rituelle Handlung mit symbolischer Funktion.
Rezeption
Im Jahr 2024 wurde das Frühlingsfest von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Damit wurde seine kulturelle, historische und gesellschaftliche Bedeutung international anerkannt.